Wenn die Trennung von Lieblings-Sachen schwer fällt

Unser Fiesta auf dem Abschleppwagen

Wir haben eines unserer beiden Autos weggegeben. Es war unser erstes gemeinsames Auto gewesen und wir hatten es 14 Jahre. Damals hatten wir es gebraucht gekauft, mit über 100.000 km und sechs Jahre alt. Wir hatten ein paar Tage überlegt, ob wir das riskieren sollten. Wie lang würde es noch halten bei diesem hohen Kilometerstand? Wir haben es riskiert, weil uns beiden dieser kleine Fiesta von Anfang an so gut gefiel. Und wir haben es nie bereut. Er hat uns immer zuverlässig gefahren, hat uns nie stehen lassen, hatte nie eine größere Reparatur – bis jetzt. Das würde sich jetzt häufen, hieß es in der Werkstatt. 20 Jahre und 222.505 km sind eine stolze Leistung für einen kleinen Fiesta.

Wir hatten schon seit fast einem Jahr überlegt, dass es zuviel ist, zwei Autos zu haben und dass der kleine Fiesta vielleicht auch einfach langsam ausgedient haben darf. Lange Strecken sind wir auch nicht mehr mit ihm gefahren. Trotzdem ist es uns jetzt sehr schwer gefallen, ihn abzugeben. Einen ganzen Monat lang haben wir uns von ihm verabschiedet, ihn mit Lichterketten und Blumen geschmückt, in ihm gesessen und gelesen, ihn in die Sonne geschoben und den Wind durchwehen lassen. Vielleicht klingt das verrückt. Aber es war gut so. Jetzt ist er bei einer Autoverwertung, die seriös und sehr nett sind und die ein schönes Gelände haben. Bis im Januar die Presse kommt, wird er dort im Grünen stehen, mit Bäumen in der Nähe und Gras.

Was hat das alles mit Minimalismus zu tun? Wir müssen uns immer wieder von Dingen trennen, wenn wir uns wirklich nur mit dem umgeben wollen, was wichtig für unser aktuelles Leben ist, was dazu beiträgt, dass wir erfüllt leben. Manche Trennungen fallen leicht und andere fallen schwer.
Chris hat vor kurzem seine beiden Synthesizer weggegeben. Es ist ihm auch schwer gefallen. Erinnerungen und viel schöne Musik hingen daran. Danach hat er zu mir gesagt “Wenn es besonders schwer fällt etwas weg zu geben und man tut es trotzdem, dann wird es danach viel leichter.”

Versteht mich nicht falsch. Niemand soll etwas weg geben, was aktuell noch wichtig ist. Niemand soll etwas weg geben, wenn er oder sie noch nicht bereit dazu ist. Aber wenn man weiß, dass es gut ist, etwas weg zu geben, dann sollte man es tun – auch wenn es schwer fällt.

Uns haben bei unserem kleinen Auto die vielen Abschiedsrituale geholfen. Bei den Synthesizern haben der Entschluss dazu und dann “einfach umsetzen” geholfen.
Wie macht ihr es, wenn ihr euch von Dingen trennt, an denen ihr noch hängt, obwohl ihr wisst, dass es gut ist, sie los zu lassen? Wir würden uns über eure Kommentare und Erfahrungen freuen!

1 Antwort
  1. Monika E. König
    Monika E. König says:

    Wie man sich von solch an Herz gewachsenen und lieb gewordenen Sachen trennt? Genau so, wie Du es getan hast. Über ein Foto mit Blogbeitrag. So haben die Minimamusen am Wochenende für sich erkannt. Der Geschichte/Story/Erinnerung, in ein virtuelles Plätzchen zugewiesen, Angst/der Widerwille vor dem Loslassen gebannt. 🙂

    LG mons7

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*