Die Liebe zu leeren Regalen

Es ist jetzt eine Weile her, seit ich – nach einem längeren Besuch bei meinem Vater – in unsere leere Wohnung zurückkam (Chris hatte zwischenzeitlich unser Projekt “Der simulierte Umzug” gestartet) und das Gefühl hatte “Wohne ich hier noch?“.

Ich habe danach meine Sachen auch fast vollständig eingepackt und nun ist unsere Wohnung an vielen Stellen von Leere geprägt. Vor allem in einem Zimmer, in dem vorher die meisten unserer Bücher standen, sind nun fast leere Regale und fast nur noch leere Regale. Anfangs war das komisch. Anfangs waren vor allem die Dinge in meinem Bewusstsein, die “fehlten”. Ich fand es blöd, für einen Stift oder eine Büroklammer in einem anderen Zimmer in Kartons wühlen zu müssen. Inzwischen sind wohl die wichtigsten Sachen da – und ich finde es nicht mehr so schlimm, in einem Karton nach etwas suchen zu müssen.

Was anfangs ungemütliche Leere und Kahlheit war, ist in meiner Empfindung zu wohltuender Klarheit und Luftigkeit geworden!

Von dem, was da früher wohnte, gehörte einiges auch zu richtig tollen Ideen, die wir verwirklichen wollten – und dann doch nicht dazu kamen. Jetzt sind diese vorwurfsvollen Gesellen (“Du solltest mich mal lesen”, “Du solltest mich mal fertig stricken”, “Du solltest uns mal sortieren”, etc.) aus den Augen, in Kartons an einem anderen Ort.
Von ihnen mich wirklich zu verabschieden, fällt mir aber am schwersten. Es sind Projekte, Wünsche, Ideen, die ich hatte, die mir am Herzen lagen, für die ich Geld und Zeit ausgegeben habe. So viel ungenutzte Chancen … Und dennoch: ich habe mich weiterentwickelt. Neue Sachen sind dazu gekommen, die mir jetzt wichtiger sind und die ich nicht auf eine Warteschiene schieben will, um die alten Sachen zu vollenden. Auch wenn es mir nach wie vor leid tut, um die unvollendeten Dinge. Auch wenn ich einiges davon immer noch gerne im vollendeten Zustand hätte.

Wenn ich sie noch eine Weile weiter aus den Augen, aus dem Sinn habe, dann wird es vielleicht – hoffentlich!! – leichter!

Fazit: Die Kartons werden noch eine Weile eingepackt und die Regale so total leer bleiben. Bis wir dann irgendwann das alles durchgehen, das ein oder andere sicher wieder zusätzlich in die Wohnung lassen und den Großteil hoffentlich weggeben werden.

 

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