Was Aussortieren und Trauer miteinander zu tun haben

Unser heutiger Artikel ist Teil von Silke Szymura’s Aktion “Alle reden über Trauer“.


 

 


Ein Mensch ist gestorben.
Er nimmt nichts mit auf die Reise, als sich selber.
Wir verabschieden uns von ihm indem wir ihn zu Grabe tragen, ihn verbrennen oder in einem Sarg in die Erde hinablassen. Vielleicht hat er es so gewollt, vielleicht auch nicht. Es ist unser Abschied von ihm. Anders als alle anderen Abschiede. Es ist endgültig. Kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Wir wollen ihm vielleicht zeigen wie viel er uns bedeutet hat. Durch große Blumengebinde vielleicht. Oder einen teuren Sarg. Wir entscheiden auch, was wir ihm in sein Grab mitgeben, wie wir in den Jahren danach an ihn denken. Ob wir sein Grab schmücken oder seine Asche unter einem Baum beerdigen. All das nützt ihm jetzt nichts mehr. Zeigt nur, dass wir an ihn denken, ihn vermissen. Er ist gegangen. Für immer.

Bei uns bleibt die Trauer. Sie sollte aufrichtig sein. Authentisch, ehrlich und so tief wie wir sie spüren. Dinge am Grab können das nicht zeigen. Zeigen nur was wir den Lebenden mitteilen wollen. Gefühle können das. Und vielleicht gehen unsere Gedanken mit auf die Reise, die der Verstorbene nun antritt.

Der Alltag kommt schneller als die Trauer gehen kann. Wir müssen uns darum kümmern, was uns der Verstorbene hinterlassen hat. Erinnerungsstücke, die an uns kleben wie die frische Farbe von einer Wand an die wir uns gelehnt haben. Es gehört jetzt alles uns. Hinter jedem Ding könnte eine Geschichte stehen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir sie hören wollen.
Wir wollen den Toten ehren, seine Geschichte hören. Der Abschied ist noch nicht lange her und wir würden noch gerne mehr über ihn erfahren. Was wir nicht fragten, als er noch lebte. Weil wir dachten, dass noch Zeit genug ist und Anderes ist immer wichtiger als das Leben das gerade stattfindet. Jetzt stehen wir inmitten von Zeug eines anderen Lebens. Es wird uns Monate, vielleicht Jahre kosten bis wir allem auf die Spur gekommen sind. Und dann beschließen wir erst einmal alles in wasserfeste Plastikboxen zu legen und in den Keller zu tun. Wir werden uns später darum kümmern.

Das Später kommt nie. Jeder Tag der kommt macht es schwieriger sich mit dem auseinanderzusetzen, was wir in den Keller verbannt haben. Wir verlieren die Verbindung dazu. Die Boxen im Keller werden zur Gewohnheit, wie alles andere Unerledigte. Es gibt immer Wichtigeres im Leben zu tun, nicht wahr?

Zeit aufzuräumen. Sich zu trennen von alledem. Es schmerzt die Fotografien zu verbrennen, aber gleichzeitig ist es auch ein Abschied, den ich schon viel früher hätte machen sollen. Es befreit. Und ich merke wie ich vom „wir“ zum „Ich“ gehe. Der Mensch ist gegangen, ich bin ihm dankbar für alles, werde ihn nicht vergessen. Aber als ich mich von seinen Sachen trennte, ließ ich ihn los und begann nach vorne zu blicken.
Danke Vater.
Für alles.
Dein Sohn.

 

 


Wir freuen uns, wenn dir der Text gefallen hat.
Und falls du selbst Unterstützung beim Aussortieren von zu vielen geerbten Dingen oder auch von deinen eigenen Dingen brauchst, laden wir dich herzlich ein auf weggebracht zu klicken, wo Andrea dir ihren Ausräumkurs und ihr Coaching vorstellt.


Unser heutiger Artikel ist Teil von Silke Szymura’s Aktion “Alle reden über Trauer” zum 33. Geburtstag ihres verstorbenen Partners Julian am 27. Februar 2017.
Falls du ihren Blog “In lauter Trauer” noch nicht kennst: Auch unabhängig von dieser Aktion lohnt sich ein Besuch! Sie schreibt wunderbare und einfühlsame Texte!
Wir wünschen dir viel Freude und berührende Momente beim Stöbern auf ihrem Blog und in den vielfältigen Beiträgen von “Alle reden über Trauer 2017


 

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